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Liste der alten Großkreise
von Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien
 

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Geschichtlicher Rahmen

Vor der Revolution von 1848:
Böhmen, Mähren und (Österreichisch-)Schlesien waren verwaltungsmäßig zuerst ziemlich unterschiedlich und wechselhaft gegliedert.
Erst gegen Mitte des 14. Jahrhunderts teilte der böhmische König (und deutsche Kaiser) Karl IV. sein Land systematisch in Verwaltungs-Kreise ein. Die Einteilung in Kreise hielt sich nun zwar für etwa 500 Jahre, aber leider gab es innerhalb und zwischen diesen (im Vergleich zu den späteren sudetendeutschen Kreisen) recht großen "alten" Kreisen immer wieder Verwaltungsreformen, welche die Übersicht nicht gerade leicht machen. Vielleicht "drücken sich" daher in der historischen Literatur die Autoren ganz gerne um genaue Angaben dazu, welche Kreiseinteilung ab welchem Zeitpunkte bestand.
Bei den Kreiseinteilungen in Mähren und Österreichisch-Schlesien gabe es allerdings viel weniger Änderungen.
 
In der Literatur heißt der (alte Groß-)Kreis auf deutsch einfach "Kreis" (wie auch der spätere sudetendeutsche Kreis), und auf tschechisch heißt er "kraj".
 
Nach der Revolution von 1848, etwa 1849/1850, wurden die "böhmischen Länder"
[d.s. Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien; während der Ersten Tschechoslowakischen Republik (1918 bis 1938) wurden Mähren und (Österreichischisch-)Schlesien zusammengefasst umbenannt in Mähren-Schlesien (tsch.: Moravskoslezská)]
durch eine Verwaltungsreform in Politische und Gerichts-Bezirke eingeteilt, welche bis 1938 gültig blieben.
1938/1939 wurden Böhmen und Mähren-Schlesien in zwei politische Hauptregionen aufgeteilt und blieben so bis 1945:
In der Literatur heißt der sudetendeutsche Kreis auf deutsch einfach "Kreis" (wie auch der frühere Großkreis). "Bezirk" heißt auf tschechisch "okres". (Politischer Bezirk = politický okres, Gerichtsbezirk = soudní okres).
 

 

Interessiert das die Familienforscher?

Für den Familien- und Heimatforscher kann der Hinweis, wann ein bestimmter Ort zu einer bestimmten Zeit sich in welchem alten Großkreis befand, ziemlich wichtig sein. Denn die Informationen über einen Ort (z.B. die "Seelenlisten" = "Untertanenverzeichnisse nach dem Glauben" von 1651, die "Steuerrolle" = "Berní Rula" von 1654) sind oft nur unter dem jeweiligen Kreis zu finden.
 
Anmerkung: Angenommen, ein böhmischer Ort O liege 1651 im Kreis K.   Im 17. Jahrhundert hat sich die Kreiseinteilung im Landesteil Böhmen übrigens nicht verändert.  
 

Quellen zu meinen Listen der alten Großkreise

Meine nachfolgenden Kreis-Übersichten zu Böhmen, Mähren und (Österreichisch-)Schlesien habe ich (mitsamt einigen offenen Fragen) aus folgender Literatur erarbeitet:
 
  1. Am besten half mir folgendes Buch:
     
    "Geschichte Böhmens"
    von
    Dr. Ludwig Schlesinger
    ---
    Herausgegeben vom Vereine für Geschichte der Deutschen in Böhmen
    --- Prag
    In Kommission der J. G. Calve'schen k.k. Universitätsbuchhandlung (für Österreich).
    ---
    Leipzig
    In Kommission bei F. A. Brockhaus
    ---
    1869
     
    Auf Seite 244 oben heißt es: Landeseintheilung
    Die alte Gaueintheilung des Landes war unter Johann von Luxemburg ganz in Verfall gerathen, so dass Karl IV. zur besseren Handhabung des allgemeinen Landfriedens eine neue und zwar eine Kreiseintheilung vornahm. Die Zahl der neuen Kreise, mit eigenen Kreisgerichten und je zwei Kreishauptleute, wird vershiedentlich angegeben; wir bleiben bei der Zahl dreizehn mit folgenden Mittelpunkten: Bechin, Bunzlau, Chrudim, Časlau, Elbogen, Kaurschim, Königingrätz [Anm.: vermutlich: Königgrätz ?], Leitmeritz, Pilsen, Pisek, Prachin, Saatz und Schlan.
     
    Auf Seite 570 Mitte heißt es: Eintheilung
    Mit der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts theilte man das Land in folgende vierzehn Kreise ein: in den Bechiner, Nunzlauer, Časlauer, Chrudimer, Kaurschimer, Königgrätzer, Leitmeritzer, Moldauer, Pilsner, Podbrder, Prachiner, Rakonitzer, Saatzer und Schlaner. Im Jahre 1714 wurde der Schlaner Kreis zum Rokonitzer geschlagen und der Podbrder mit dem Moldauer zum Berauner vereinigt, so dass es seitdem 12 Kreise gab. Im Jahre 1751 erfolgte die Eintheilung in sechszehn Kreise, welche bis 1849 dauerte; es wurde damals vom Königgrätzer der Bidschower, vom Pilsner der Klattauer und vom Saatzer der Elbogner Kreis losgetrennt, während man den Bechiner in den Budweiser und Taborer theilte. Der Vollständigkeit führen wir noch an, dass 1849 eine Eintheilung in sieben (Prag, Böhmischleipa, Budweis, Eger, Gitschin, Pardubitz, Pilsen) und 1855 eine Scheidung in dreizehn Kreise (Prag, Budweis, Bunzlau, Časlau, Chrudim, Eger, Gitschin, Königgrätz, Leitmeritz, Pilsen, Pisek, Saatz und Tabor) vorgenommen wurde.
     
     
  2. Zur Abrundung füge ich hier noch eine Liste aus folgendem weiteren Buche an:
     
    "Staat von Böhmen"
    von
    Ludwig Heinrich von Gude
    ---
    (herausgegeben ca. 1707)
     
    Ab Seite 280 sind folgende 17 Kreise wörtlich aufgeführt und beschrieben:
    Kaurzimer, Hradecker [Anm.: vermutlich: Königgrätz], Chrudimer, Czaslauer, Bechiner, Moldawer, Perauner, Prachenser, Pilsner, Saczer, Rakonitzer, Slanitzer, Leutmeritzer, Buntzler, Ellenbogner, Egrischer, Grafschaft Glatz.
     
     
  3. Des Weiteren benutzte ich folgendes mehrbändige Werk:
     
    "Handbuch der Geschichte der böhmischen Länder"
    ---
    mehrbändig herausgegeben ab 1967 von Karl Bosl
    im Auftrag des Collegium Carolinum, München
    ---
    Verlag Anton Hiersemann, Stuttgart
     
    Beachtenswerte Stellen (alle im Band 2):

    Seite 446, letzter Abschnitt ("Landesämter" als Vorläufer von Kreisämtern in Österreichisch-Schlesien).
    Seite 447, bis dritter Abschnitt (Fortsetzung zu obigen Vorläufern).
    Seite 471, Anmerkungen 40, 48 und 49.
    Seite 523, zweiter Abschnitt (1782 administrative Verbindung von Österreichisch-Schlesien und Mähren).


 
 
In den nun endlich folgenden drei Listen gilt folgendes:

 
 
Übersicht
zu den alten Großkreisen von Böhmen
(insgesamt 26 verschiedene Kreisnamen)
ab etwa 1350
(13 Kreise)
ab etwa 1450
(14 Kreise)
ab 1714
(12 Kreise)
ab 1751
(16 Kreise)
ab 1849
( 7 Kreise)
ab 1855
(13 Kreise)

Bechin
  [Beching; Bechyně]

..
..
..
..
Bunzlau [Jungbunzlau; Mladá Boleslav]
Časlau [Časlau; Čáslav]
Chrudim [Chrudim, Chrudim]
..
Elbogen [Elbogen; Loket]
..
Kaurschim [Gurim; Kouřim]
..
Königgrätz [Königgrätz; Hradec Králové]
Leitmeritz [Leitmeritz; Litoměřice]
..
..
Pilsen [Pilsen; Plzeň]
Pisek [Pisek; Písek]
..
Prachin [Prachatitz; Prachatice]
..
..
Saatz [Saaz; Žatec]
Schlan [Schlan; Slaný]
..

Bechin


..
..
..
..
Bunzlau
Časlau
Chrudim
..
..
..
Kaurschim
..
Königgrätz
Leitmeritz
Moldau [-; -]
..
Pilsen
..
Podbrdy [Podbird; Podbrdy]
Prachin
..
Rakonitz [Rakonitz; Rakovník]
Saatz
Schlan
..

Bechin


Beraun [Beraun; Beroun] {aus Moldau + Podbrdy}
..
..
..
Bunzlau
Časlau
Chrudim
..
..
..
Kaurschim
..
Königgrätz
Leitmeritz
.. {Moldau -> Beraun}
..
Pilsen
..
.. {Podbrdy -> Beraun}
Prachin
..
Rakonitz
Saatz
.. {Schlan -> Rakonitz}
..

..
  {Bechin -> Budweis und Tabor}

Beraun
Bidschow [Neu-Bidschow; Nový Bydžov] {aus Teil von Königgrätz}
..
Budweis [Budweis; Budějovice] {aus Hälfte von Bechin}
Bunzlau
Časlau
Chrudim
..
Elbogen {aus Teil von Saatz}
..
Kaurschim
Klattau [Klattau; Klatovy] {aus Teil von Pilsen}
Königgrätz {Teil -> Bidschow}
Leitmeritz
..
..
Pilsen {Teil -> Klattau}
..
..
Prachin
..
Rakonitz
Saatz {Teil -> Elbogen}
..
Tabor [Tabor; Tábor] {aus Hälfte von Bechin}

..


..
..
Böhmischleipa [Böhmisch Leipa; Česká Lípa]
Budweis
..
..
..
Eger [Eger; Cheb]
..
Gitschin [Jitschin; Jičín]
..
..
..
..
..
Pardubitz [Pardubitz; Pardubice]
Pilsen
..
..
..
Prag [Prag; Praha]
..
..
..
..

..


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..
..
Budweis
Bunzlau
Časlau
Chrudim
Eger
..
Gitschin
..
..
Königgrätz
Leitmeritz
..
..
Pilsen
Pisek
..
..
Prag
..
Saatz
..
Tabor

 
 
Übersicht
zu den alten Großkreisen von Mähren
vor 1637
 
ab 1637
(6 Kreise))

??


??
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??
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??

Brünn
  [Brünn; Brno]

Hradisch [Ungarisch Hradisch; Uherské Hradiště]
Iglau [Iglau; Jihlava]
Olmütz [Olmütz; Olomouc]
Prerau [Prerau; Přerov]
Znaim [Znaim; Znojmo]

 
 
Übersicht
zu den alten Großkreisen von Österreichisch-Schlesien
vor ????
 
ab ????
(2 Kreise)
??


??
Teschen
  [Teschen; Cieszyn, Český Těšín]

Troppau [Troppau; Opava]
 
Ewald Keil, D-70794 Filderstadt
Letzte Aktualisierung: 2004/06/22